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Fachartikel

Gründungszuschuss: Gespräch bei der Arbeitsagentur vorbereiten

Bereiten Sie das Gespräch zur Gründung aus ALG I gezielt vor: typische Fragen, Argumentationslinie, Unterlagenpaket, Finanzplanung und Checkliste – mit Quellen.

17. Februar 202613 Min. Lesezeit

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ziel im Gespräch: Sie zeigen nachvollziehbar, dass Sie mit der Gründung Ihre Arbeitslosigkeit beenden und die Selbstständigkeit tatsächlich hauptberuflich planen.
  • Entscheidend ist Plausibilität: Nicht „die beste Idee“ gewinnt, sondern ein schlüssiger roter Faden aus Markt, Umsetzung, Zeitplan und Zahlen.
  • Formale Hürde früh prüfen: Für den Gründungszuschuss müssen bei Start der Selbstständigkeit in der Regel mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld verbleiben (gesetzliche Vorgabe).
  • Tragfähigkeit belegen: Der Nachweis erfolgt regelmäßig über Businessplan und fachkundige Stellungnahme (gesetzlich vorgesehen).
  • Verzögerungen vermeiden: Typische Rückfragen drehen sich um Hauptberuflichkeit, Kundengewinnung, Finanzplanung und Alternativen in Beschäftigung.

Wenn Sie Ihre Unterlagen so aufbereiten möchten, dass sie für eine fachkundige Stellungnahme prüffähig sind, kann dieser Schritt helfen: fachkundige Stellungnahme.

Dieses Vorgehen ist für Sie passend, wenn Sie das (Vor-)Gespräch bei der Arbeitsagentur strukturiert vorbereiten wollen, um Einwände vorwegzunehmen und Nachforderungen zu reduzieren. Ihr nächster Entscheidungsschritt: Können Sie Ihr Vorhaben in 10–12 Minuten klar erklären – und passt Ihre Finanzplanung dazu so, dass sie sich an Zahlen und Annahmen überprüfen lässt?

Kurzüberblick

Der Gründungszuschuss kann den Übergang aus Arbeitslosigkeit in eine hauptberufliche Selbstständigkeit unterstützen, ist aber eine Ermessensleistung. Im Gespräch geht es darum, ob Voraussetzungen, Tragfähigkeit und persönliche Eignung zusammenpassen und ob Ihre Planung realistisch wirkt. Je klarer Sie Unterlagen und Argumentationslinie aufeinander abstimmen, desto seltener entstehen Zeitverluste durch Rückfragen.

Voraussetzungen und Entscheidungsfragen (damit Sie nicht am Falschen arbeiten)

Die Arbeitsagentur prüft nicht nur Ihre Idee, sondern vor allem, ob die Gründung als Haupttätigkeit geeignet ist, die Arbeitslosigkeit zu beenden, und ob Ihr Konzept tragfähig wirkt. Maßgeblich ist die gesetzliche Grundlage in § 93 SGB III (Gründungszuschuss).

Restanspruch auf Arbeitslosengeld: zuerst klären

Für die Förderung ist zentral, dass Sie „bei Aufnahme der selbständigen Tätigkeit“ noch genügend Anspruch auf Arbeitslosengeld haben; in § 93 SGB III sind mindestens 150 Tage Restanspruch genannt. Prüfen Sie deshalb vor dem Termin: Welches Startdatum ist realistisch, ohne den Restanspruch zu unterschreiten? (§ 93 SGB III).

Praktische Entscheidungshilfe:

  • Wenn Ihr gewünschter Start sehr kurzfristig ist: Priorisieren Sie ein belastbares Minimal-Unterlagenpaket (Kurzkonzept + erste Finanzplanung + Nachweise zur Kundengewinnung), statt „perfekter“ Details.
  • Wenn Sie noch Zeitpuffer haben: Nutzen Sie ihn für bessere Belege (Angebots-/Preislogik, Zielgruppe, Kostenstruktur, Liquiditätsplan).

Hauptberuflichkeit: eindeutig machen

Im Gesetz ist die „hauptberufliche Tätigkeit“ genannt. In der Praxis ist das oft eine Kernfrage: Ist die Gründung wirklich der Weg zurück in nachhaltige Erwerbstätigkeit oder eher ein Nebenprojekt? Als Orientierung wird häufig mit einem Umfang ab 15 Stunden/Woche gearbeitet (z. B. im Kontext institutioneller Hinweise: Existenzgründungsportal – Gründungszuschuss und weitere Fördermöglichkeiten).

Entscheidungsfragen, die Sie beantworten können sollten:

  • Wie viele Stunden pro Woche sind für Leistungserbringung, Vertrieb, Administration und Weiterbildung geplant?
  • Was lassen Ihre geplanten Umsätze und Kapazitäten realistisch zu?
  • Welche Tätigkeiten würden die Hauptberuflichkeit verwässern (z. B. umfangreiche Nebenjobs)?

Tragfähigkeit + fachkundige Stellungnahme: Unterlagen müssen zueinander passen

§ 93 SGB III nennt als Voraussetzung den Nachweis der Tragfähigkeit und sieht dafür ausdrücklich die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle vor. (§ 93 SGB III). Viele Kammern beschreiben konkret, welche Unterlagen dafür üblich sind, etwa Businessplan, Finanzierungs- und Liquiditätsplanung sowie Qualifikationsnachweise (Beispiel: IHK Hannover – Gründung aus der Arbeitslosigkeit; Handwerkskammer Ulm – Gründungszuschuss).

Wichtiger Punkt für Ihre Erwartungshaltung: Die Arbeitsagentur entscheidet im Rahmen ihres Ermessens; es gibt keinen automatischen Anspruch allein wegen „vollständiger Unterlagen“. Das wird auch in fachlichen Hinweisen der Bundesagentur für Arbeit deutlich (siehe z. B. Fachliche Weisungen zum Gründungszuschuss, Stand 13.09.2023 (PDF)).

Kenntnisse und Fähigkeiten: nicht nur aufzählen, sondern belegen

§ 93 SGB III verlangt, dass Sie Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung der selbständigen Tätigkeit darlegen. (§ 93 SGB III). Im Gespräch überzeugt weniger eine lange Liste, sondern eine nachvollziehbare Zuordnung:

  • Welche Aufgabe im Unternehmen können Sie selbst abdecken?
  • Wo sind Lücken?
  • Wie schließen Sie diese (Kurs, Mentoring, Kooperation, Steuerberatung, Software, feste Prozesse)?

Ablauf und Timing: So vermeiden Sie unnötige Verzögerungen

Abläufe unterscheiden sich regional, aber die Logik ist meist ähnlich: Erst Beratung und Abstimmung, dann Unterlagen, dann Antrag. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt u. a. die Möglichkeit, den Antrag online einzureichen und Dokumente nachzureichen. (Gründungszuschuss beantragen – Bundesagentur für Arbeit; Gründungszuschuss – Überblick).

SchrittIhr nächster SchrittTypisches ErgebnisPrüfpunkt
GesprächsvorbereitungSchreiben Sie eine 1-seitige Kurzlogik (Zielgruppe → Angebot → Preis → Kundengewinnung → Kosten → Startdatum).Sie haben eine konsistente Erzählung für das Gespräch.Prüfpunkt: Jede Zahl (Preis, Kosten, Umsatz) hat eine benannte Annahme und eine Quelle/Begründung (z. B. Angebot, Recherche, Testgespräch).
(Vor-)Gespräch mit der ArbeitsagenturKlären Sie Restanspruch/Startdatum und fragen Sie, welche Unterlagen Ihre Dienststelle erwartet.Sie wissen, was zwingend gefordert wird und bis wann.Prüfpunkt: Sie haben eine kurze Notizliste „Unterlagen + Frist + Format“ direkt aus dem Gespräch.
Businessplan + Finanzplanung finalisierenErgänzen Sie Markt- und Vertriebsteil um konkrete Schritte (Kanäle, Kontakte, Termine).Der Businessplan ist prüffähig statt nur beschreibend.Prüfpunkt: Ihr Liquiditätsplan zeigt in den ersten 6–12 Monaten keine ungeklärten Finanzierungslücken.
Fachkundige Stellungnahme einholenWählen Sie eine fachkundige Stelle (IHK/HWK/Bank/Steuerberatung etc.) passend zu Ihrem Vorhaben.Tragfähigkeitsbewertung als Bestandteil der Unterlagen.Prüfpunkt: Die fachkundige Stelle bestätigt, dass Unterlagen vollständig sind oder nennt konkret fehlende Punkte (Checkliste der Stelle).
Antrag einreichenReichen Sie Antrag und Unterlagen gebündelt ein (online, wenn möglich).Prüfung und ggf. Rückfragen/Ergänzungsanforderungen.Prüfpunkt: Sie können jede Anlage eindeutig einem Prüfungsthema zuordnen (Tragfähigkeit, Eignung, Hauptberuflichkeit, Startdatum).
Rückfragen beantwortenAntworten Sie schriftlich mit Bezug auf Unterlage/Seite/Annahme, nicht nur „erklärend“.Rückfrage wird geschlossen, nicht verlagert.Prüfpunkt: Jede Rückfrage endet mit einem nachprüfbaren Nachweis (Dokument, Zahl, Termin, Bestätigung).

Typische Fragen im Beratungsgespräch – und Argumente, die wirklich tragen

Im Gespräch wird häufig geprüft, ob Ihre Planung in sich stimmig ist und ob Sie die Risiken realistisch sehen. Die folgenden Fragen sind nicht „Tricks“, sondern typische Prüf-Logik: Was ist das Vorhaben, warum ist es tragfähig, warum passt es zu Ihnen, und wie sieht der Start konkret aus?

„Was genau bieten Sie an – und wem?“

Worauf die Arbeitsagentur hinauswill: Sie sollen nicht „alle“ als Kunden haben. Zielgruppe und Nutzen müssen konkret sein.

So antworten Sie prüffähig:

  • Nennen Sie 1–2 Hauptzielgruppen und eine klare Problemstellung.
  • Beschreiben Sie Ihr Angebot in Ergebnissen (was bekommt der Kunde am Ende?) und Abgrenzung (was bieten Sie bewusst nicht an?).
  • Legen Sie eine einfache Preislogik dar (z. B. Paket/Tagessatz/Stundensatz) und warum sie marktüblich ist.

Formulierungsbeispiel (anpassen, nicht auswendig lernen): „Ich starte mit zwei klaren Kundensegmenten. Für Segment A löse ich Problem X mit Leistung Y. Die Preise basieren auf Z (Vergleichsangebote/Erfahrung/Testgespräche) und sind im Businessplan mit Annahmen hinterlegt.“

„Wie gewinnen Sie in den ersten Wochen Kunden?“

Worauf es ankommt: Nicht „Marketing allgemein“, sondern konkrete Schritte mit Zeitplan.

Gute Belege:

  • Liste mit 20–40 konkreten Erstkontakten (Netzwerk, Branchenverzeichnis, ehemalige Arbeitgeber/Partner, lokale Unternehmen, Plattformen) – je nach Branche.
  • Ein 4‑Wochen‑Aktionsplan: Welche Gespräche, welche Angebote, welche Follow-ups.
  • Ein messbarer Vertriebsprozess (z. B. Anzahl Anfragen/Angebote/Abschlüsse pro Woche).

„Warum ist das hauptberuflich und nicht nur nebenbei?“

Worauf es ankommt: Zeit- und Umsatzlogik.

Plausible Argumentationslinie:

  • Zeigen Sie, wie viele abrechenbare Stunden realistisch sind und welche nicht abrechenbaren Tätigkeiten anfallen.
  • Erklären Sie, wie sich das mit Ihrem Lebenskontext vereinbaren lässt (Kinderbetreuung, Pflege, Pendeln) – ohne Details zu überfrachten.
  • Falls ein Nebenjob geplant ist: begrenzen, begründen, und zeigen, dass er die Haupttätigkeit nicht verdrängt.

„Welche Zahlen stecken hinter Ihrer Finanzplanung?“

Worauf es ankommt: Annahmen müssen überprüfbar sein.

So machen Sie es belastbar:

  • Umsatz: Preis × Menge × Auslastung – mit klarer Herleitung.
  • Kosten: Fixkosten (z. B. Miete, Versicherungen, Software) getrennt von variablen Kosten.
  • Liquidität: Monatliche Ein- und Auszahlungen mindestens für die Startphase; Engpass-Monate nennen.

Wichtig: „Optimistisch“ ist nicht verboten, aber ohne Belege führt es oft zu Rückfragen.

„Warum ist Ihre Idee tragfähig – was sagt eine fachkundige Stelle?“

Hier ist die fachkundige Stellungnahme der typische, formale Tragfähigkeitsnachweis. § 93 SGB III nennt sie ausdrücklich. (§ 93 SGB III).

Praktisch hilfreich:

  • Nehmen Sie das Formular/Anforderung der Arbeitsagentur zur Stellungnahme (falls schon vorhanden) mit.
  • Stimmen Sie vorab ab, welche fachkundige Stelle für Ihr Vorhaben zuständig ist (IHK/HWK/berufsständische Kammer etc.). Beispiele, wie Kammern Unterlagenlisten beschreiben: IHK Hannover; HWK Ulm.

„Sind Sie fachlich und kaufmännisch geeignet?“

Worauf es ankommt: Sie müssen nicht „alles können“, aber Sie sollten Verantwortung, Lernplan und Unterstützung sauber darstellen.

Gute Struktur:

  • Fachliche Eignung: Ausbildung, Erfahrung, Referenzen.
  • Kaufmännische Mindestfähigkeit: Angebotskalkulation, Buchhaltungskonzept, Steuertermine (z. B. mit Steuerberatung).
  • Risikomanagement: Was passiert bei Auftragsausfall, Krankheit, Zahlungsverzug?

„Gibt es eine realistische Alternative in Beschäftigung?“

Diese Frage ist sensibel. Reagieren Sie sachlich:

  • Zeigen Sie, dass Sie Arbeitsmarktoptionen kennen.
  • Begründen Sie, warum die Selbstständigkeit die bessere, nachhaltige Lösung ist (z. B. konkrete Nachfrage, Spezialisierung, belegte Kontakte).
  • Vermeiden Sie Abwertung von Beschäftigung („für mich kommt das nicht in Frage“), besser: „Ich habe geprüft…, die Gründung ist der passende Schritt, weil…“.

Unterlagenpaket: Was Sie fürs Gespräch (und den Antrag) konkret vorbereiten

Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt den Antrag und das Nachreichen von Dokumenten auch digital. (Gründungszuschuss beantragen – Bundesagentur für Arbeit). Für die Tragfähigkeit werden je nach fachkundiger Stelle typischerweise Businessplan- und Finanzunterlagen erwartet (Beispiele: IHK Hannover; HWK Ulm).

UnterlageWofür sie gebraucht wirdIhr konkreter SchrittPrüfpunkt
Kurzkonzept (1 Seite)Gesprächsroter FadenFormulieren Sie Zielgruppe, Angebot, Startdatum und 3 Kennzahlen (Preis, Zielumsatz, Fixkosten).Prüfpunkt: Eine dritte Person kann nach dem Lesen in 30 Sekunden sagen, was Sie anbieten und an wen.
BusinessplanTragfähigkeit und UmsetzungSchreiben Sie die Kapitel so, dass jede Aussage eine Konsequenz in der Finanzplanung hat (z. B. Marketing → Kosten/Leads).Prüfpunkt: Markt-/Vertriebsteil enthält mindestens 5 konkrete Maßnahmen mit Terminfenster.
Finanzplanung (Umsatz/Rentabilität)Plausibilität der ZahlenTrennen Sie „best case“ und „realistisch“ über Annahmen (Auslastung, Preis, Marge).Prüfpunkt: Sie können jede Umsatzposition auf „Preis × Menge“ zurückführen.
Liquiditätsplan (monatlich)Engpässe erkennenPlanen Sie Ein- und Auszahlungen monatlich, mindestens für die Startphase.Prüfpunkt: Der niedrigste Kontostand ist benannt und durch Finanzierung/Reserve erklärbar.
Kapitalbedarfs- & FinanzierungsplanStartkosten + FinanzierungListen Sie Anschaffungen und Anlaufkosten; zeigen Sie, wie sie finanziert werden (Eigenmittel, Darlehen, Leasing).Prüfpunkt: Jede Position hat ein Angebot/Preisnachweis oder eine realistische Schätzung mit Begründung.
Nachweise zur EignungKenntnisse/Fähigkeiten nach § 93Stellen Sie Lebenslauf, Zeugnisse, Referenzen und ggf. Fortbildungsplan zusammen.Prüfpunkt: Für jede Schlüsselaufgabe (fachlich, Vertrieb, Buchhaltung) ist klar: „kann ich“ oder „löse ich so“.
Nachweise zur KundengewinnungNachfrage plausibel machenSammeln Sie Gesprächsnotizen, Absichtserklärungen, erste Angebote, Portfolio/Arbeitsproben (branchenüblich).Prüfpunkt: Mindestens 5 echte Kontakte/Anfragen sind dokumentiert (Datum, Ansprechpartner, nächster Schritt).
Formular/Anforderung fachkundige StellungnahmeFormaler TragfähigkeitsnachweisKlären Sie, welches Formular Ihre Dienststelle nutzt und welche Anlagen verlangt sind.Prüfpunkt: Die Unterlagenliste der fachkundigen Stelle ist vollständig abgehakt oder mit offenen Punkten datiert.

Hinweis zu Kosten: Viele Stellen erheben Gebühren, andere nicht; die Kostenübernahme durch die Arbeitsagentur ist nicht automatisch. Klären Sie das frühzeitig, bevor Sie Unterlagen final binden oder bezahlen (konkrete Hinweise finden sich z. B. in Kammerinformationen wie IHK Hannover oder regionalen Merkblättern).

Wenn Sie Ihre Unterlagen gezielt so strukturieren wollen, dass sie für eine fachkundige Stellungnahme gut prüfbar sind, kann eine saubere Vorbereitung viel Zeit sparen: fachkundige Stellungnahme.

Häufige Stolperstellen – und wie Sie sie korrigieren

Hier sind typische Fehlerbilder, die zu Rückfragen oder Verzögerungen führen können – jeweils mit einer konkreten Korrektur.

Hauptberuflichkeit bleibt unklar

  • Problem: Zeitplan, Stundenumfang oder Nebenbeschäftigung sind so formuliert, dass die Gründung wie ein Nebenerwerb wirkt.
  • Korrektur: Legen Sie eine Wochenstruktur vor (Leistung/Vertrieb/Administration) und begrenzen Sie Nebenjobs schriftlich mit Stunden und Zweck.

Finanzplanung wirkt „geschätzt“ statt hergeleitet

  • Problem: Umsätze steigen stark, ohne dass Nachfrage, Kapazität oder Vertriebsschritte dazu passen.
  • Korrektur: Rechnen Sie Umsatz über Preis × Menge × Auslastung und verknüpfen Sie jede Steigerung mit einem konkreten Akquise-Schritt.

Kundengewinnung bleibt zu allgemein

  • Problem: Es steht „Online-Marketing“ oder „Netzwerk“, aber ohne Maßnahmen, Budgets oder Zeitplan.
  • Korrektur: Schreiben Sie einen 4‑Wochen‑Plan mit konkreten Aktionen (z. B. 30 Kontakte, 10 Gespräche, 5 Angebote) und dokumentieren Sie Ergebnisse.

Tragfähigkeit und Unterlagen widersprechen sich

  • Problem: Businessplan sagt „Premium“, Preise sind aber sehr niedrig; oder Zielgruppe ist B2B, aber Vertrieb ist nur „Instagram“.
  • Korrektur: Stimmen Sie Positionierung, Preis und Vertrieb aufeinander ab und markieren Sie im Businessplan, welche Annahmen in die Finanzplanung fließen.

Qualifikation wird nur behauptet

  • Problem: „Ich habe Erfahrung“ ohne Nachweise oder ohne Plan für kaufmännische Aufgaben.
  • Korrektur: Ergänzen Sie Referenzen/Arbeitsproben und eine klare Lösung für Buchhaltung/Steuern (z. B. Steuerberatung, Kurs, Software, feste Termine).

Startdatum ist nicht sauber abgestimmt

  • Problem: Gewerbeanmeldung/Start wird genannt, bevor Gespräch/Unterlagenlage geklärt ist.
  • Korrektur: Klären Sie Reihenfolge und Fristen im Gespräch und dokumentieren Sie das Startdatum so, dass es zu Restanspruch und Unterlagen passt (vgl. gesetzliche Voraussetzungen in § 93 SGB III und Prozesshinweise der Bundesagentur für Arbeit).

Checkliste

  • Bereiten Sie eine 10‑Minuten‑Kurzvorstellung vor, damit das Gespräch einen klaren roten Faden hat und nicht in Details zerfasert. Prüfpunkt: Sie können Zielgruppe, Angebot, Preislogik und Startdatum ohne Unterlagen in einem Zug erklären.
  • Prüfen Sie Restanspruch und realistisches Startdatum früh, um keine Planung auf ein Datum zu bauen, das formal nicht mehr passt. Prüfpunkt: Sie kennen die Anzahl verbleibender Anspruchstage und haben zwei mögliche Starttermine mit Puffer notiert.
  • Formulieren Sie Ihre Hauptberuflichkeit konkret (Wochenstruktur), damit keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit oder Umsetzbarkeit bleiben. Prüfpunkt: Eine Wochenübersicht zeigt mindestens 15 Stunden/Woche für das Vorhaben (oder die von Ihrer Dienststelle erwartete Einordnung) und ist plausibel verteilt.
  • Leiten Sie Ihre Umsatzannahmen her, damit Zahlen nicht wie Wunschwerte wirken. Prüfpunkt: Jede Umsatzzeile lässt sich auf „Preis × Menge“ zurückführen und enthält eine Annahme zur Auslastung.
  • Erstellen Sie einen monatlichen Liquiditätsplan, um Engpässe sichtbar zu machen und Rückfragen zur Lebensfähigkeit zu reduzieren. Prüfpunkt: Der Monat mit dem niedrigsten Kontostand ist erkennbar und durch Reserve/Finanzierung/Anpassung erklärt.
  • Dokumentieren Sie Kundengewinnung als Aktivitätenplan, damit „Marketing“ nicht abstrakt bleibt. Prüfpunkt: Es gibt eine Liste mit konkreten Kontakten/Terminen und ein messbares Ziel pro Woche (Gespräche, Angebote, Abschlüsse).
  • Sammeln Sie Eignungsnachweise und schließen Sie Lücken aktiv, damit § 93‑Anforderung „Kenntnisse und Fähigkeiten“ greifbar wird. Prüfpunkt: Für fachliche, vertriebliche und kaufmännische Kernaufgaben ist jeweils ein Nachweis oder ein konkreter Lern-/Unterstützungsplan vorhanden.
  • Klären Sie früh, welche fachkundige Stelle zuständig ist, um Zeitverlust durch falsche Ansprechpartner zu vermeiden. Prüfpunkt: Sie haben eine schriftliche Bestätigung oder klare Zuständigkeitsregel (IHK/HWK/berufsständische Kammer) und eine Unterlagenliste.
  • Packen Sie Ihr Unterlagenpaket „prüffähig“ (Version, Datum, Inhaltsverzeichnis), damit Rückfragen nicht aus Unordnung entstehen. Prüfpunkt: Jede Anlage hat Dateiname/Datum, und Sie können auf Nachfrage „wo steht das?“ in unter 10 Sekunden zeigen.
  • Bereiten Sie kurze Antworten auf Einwände vor, damit Sie im Gespräch ruhig und sachlich bleiben. Prüfpunkt: Für die Themen Hauptberuflichkeit, Kundengewinnung, Finanzierung und Alternative Beschäftigung haben Sie je eine 3‑Satz‑Antwort plus Nachweis.

Häufige Fragen

Gibt es einen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss?

Nein. Der Gründungszuschuss ist eine Leistung, die im Ermessen gewährt wird; entscheidend ist die Prüfung im Einzelfall. Die gesetzlichen Voraussetzungen sind in § 93 SGB III geregelt.

Welche Rolle spielt die fachkundige Stellungnahme?

Sie ist der gesetzlich vorgesehene Tragfähigkeitsnachweis gegenüber der Arbeitsagentur. Die Stellungnahme ersetzt nicht Ihre übrigen Unterlagen, sondern stützt die Tragfähigkeitsbewertung. (§ 93 SGB III).

Wann sollte ich den Antrag stellen?

Typischerweise vor Aufnahme der hauptberuflichen Selbstständigkeit und nach Abstimmung mit der Arbeitsagentur. Details zum Einreichen (inkl. online) beschreibt die Bundesagentur für Arbeit unter Gründungszuschuss beantragen.

Kann ich Unterlagen nachreichen?

Ja, im Onlineverfahren wird das Nachreichen von Dokumenten beschrieben. Sinnvoll ist trotzdem, ein möglichst vollständiges Paket abzugeben, um Schleifen zu vermeiden. (Bundesagentur für Arbeit – Gründungszuschuss beantragen).

Wie detailliert muss der Businessplan für das Gespräch sein?

Für das Gespräch reicht oft ein schlüssiges Kurzkonzept, wenn es die Kernfragen beantwortet. Für die fachkundige Stellungnahme und die Prüfung der Tragfähigkeit brauchen Sie in der Regel einen vollständigen Businessplan plus Finanzplanung (vgl. typische Unterlagenanforderungen z. B. bei IHK Hannover oder HWK Ulm).

Was sind die häufigsten Gründe für Rückfragen?

Unklare Hauptberuflichkeit, unplausible Umsatzannahmen, fehlender Liquiditätsplan, zu allgemeine Kundengewinnung und Widersprüche zwischen Text und Zahlen.

Darf ich im Gespräch „unsichere“ Punkte offen ansprechen?

Ja – oft wirkt es professioneller, Risiken klar zu benennen und eine Gegenmaßnahme zu zeigen (z. B. Reserve, Variantenplan, Kostenanpassung), statt Risiken auszublenden.

Welche fachkundigen Stellen gibt es?

§ 93 SGB III nennt insbesondere IHK, HWK, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute. Welche Stelle für Sie passt, hängt von Beruf/Branche und regionaler Zuständigkeit ab. (§ 93 SGB III).

Quellen

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