Gründungszuschuss: Rechtsform wählen – Freiberufler, UG oder GmbH?
Prüfen Sie Freiberufler vs. UG/GmbH beim Gründungszuschuss: Auswirkungen auf Businessplan, Finanzplanung und Tragfähigkeitsbescheinigung – mit Checkliste.
Verfasst von der
Gründergold Redaktion
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rechtsform allein ist selten das „Ja/Nein“. Beim Gründungszuschuss zählt vor allem, ob Sie eine hauptberufliche Selbstständigkeit aufnehmen und das Vorhaben tragfähig begründet ist.
- Freiberuflich vs. gewerblich ist die erste Weiche. Das beeinflusst Pflichten (z. B. Gewerbeanmeldung), die Außenwirkung und vor allem, wie Sie Ihr Vorhaben im Businessplan plausibel darstellen.
- UG/GmbH sind grundsätzlich möglich, aber erklärungsbedürftiger. Sie müssen besonders sauber zeigen, wie Sie persönlich hauptberuflich selbstständig arbeiten und wie Einnahmen bei Ihnen ankommen (Gehalt, Ausschüttungen, Liquidität).
- Die Tragfähigkeitsprüfung ist eine Plausibilitätsprüfung. Entscheidend sind nachvollziehbares Angebot, Marktlogik, Qualifikation und belastbare Zahlen in der Finanzplanung – nicht „Hochglanz“.
- Der wichtigste Entscheidungsschritt vor dem Schreiben: Klären Sie, wer Vertragspartner Ihrer Kunden wird (Sie oder die Gesellschaft) und wie Ihr persönlicher Lebensunterhalt in den ersten Monaten gesichert ist.
Wenn Sie die Unterlagen für die Tragfähigkeitsbescheinigung strukturiert vorbereiten möchten, hilft eine klare Dokumenten- und Zahlenlogik: Tragfähigkeitsbescheinigung.
Sie sind hier richtig, wenn Sie Arbeitslosengeld I beziehen (oder kurz davor stehen) und vorab klären wollen, ob die geplante Selbstständigkeit eher freiberuflich oder über UG/GmbH sinnvoll darstellbar ist. Nach dem Lesen sollten Sie eine Rechtsform-Entscheidung treffen können, die zu Ihrer Rolle passt – und anschließend Businessplan und Finanzplanung gezielt darauf ausrichten.
Kurzüberblick
Die Rechtsform entscheidet beim Gründungszuschuss meist nicht allein über Bewilligung oder Ablehnung, sie prägt aber die Erwartung an Nachvollziehbarkeit. Je mehr „Zwischenschichten“ zwischen Ihrer Arbeit und Ihrem privaten Lebensunterhalt liegen (z. B. bei UG/GmbH), desto wichtiger werden klare Geldflüsse, saubere Rollen und realistische Zahlen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Rechtsform-Entscheidungen die Tragfähigkeitsprüfung praktisch beeinflussen und welcher nächste Schritt Ihre Unterlagen konsistenter macht.
Voraussetzungen/Kriterien: Worauf es beim Gründungszuschuss wirklich ankommt
Die Arbeitsagentur stellt beim Gründungszuschuss typischerweise nicht die Frage „UG oder Freiberufler?“, sondern: Beenden Sie mit der Gründung die Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche Selbstständigkeit – und ist das Vorhaben tragfähig? Eine gute erste Orientierung bieten die offiziellen Übersichten der Arbeitsagentur zum Gründungszuschuss und zur Antragstellung. (Arbeitsagentur – Gründungszuschuss, Arbeitsagentur – Gründungszuschuss beantragen)
Für Ihre Entscheidung „freiberuflich vs. UG/GmbH“ sind in der Praxis vor allem diese Kriterien entscheidungsrelevant:
- Ihre persönliche Rolle (Arbeitszeit, Aufgaben, Verantwortung). Bei UG/GmbH muss besonders klar werden, warum Sie nicht „nur Gesellschafter“ sind, sondern die Selbstständigkeit tatsächlich hauptberuflich ausüben.
- Nachvollziehbare Geldflüsse. Freiberuflich/Einzelunternehmen ist der Weg von Umsatz zu privatem Lebensunterhalt oft direkter. Bei UG/GmbH müssen Sie Gehalt, ggf. Geschäftsführervertrag, Rücklagen und Liquidität der Gesellschaft stringent erklären.
- Tragfähigkeit des Vorhabens. Tragfähig heißt im Kern: Ihr Angebot trifft einen Markt, Sie können es umsetzen, und die Zahlen sind plausibel – inklusive Anlaufphase.
- Zeitpunkt der Aufnahme. Bei Förderleistungen ist der richtige Ablauf wichtig: Antrag, Unterlagen, Startdatum und die tatsächliche Aufnahme der Tätigkeit sollten zusammenpassen (kein „Start im Rückspiegel“).
Wichtig: Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung. Eine gute Struktur erhöht die Nachvollziehbarkeit, ersetzt aber keine Einzelfallprüfung.
Vergleich/Optionen: Welche Rechtsform passt zur Tragfähigkeitsprüfung?
Vorab ein pragmatischer Grundsatz: Wählen Sie die Rechtsform nicht aus „Optik“, sondern aus Vertrags- und Zahlungslogik. Die Tragfähigkeitsbescheinigung wird leichter, wenn die Realität einfach erklärbar ist.
| Option (für den Start) | Typische Passung | Ihre nächste Aktion | Prüfpunkt (beobachtbar) |
|---|---|---|---|
| Freiberufliche Tätigkeit (als natürliche Person) | Wenn Ihre Tätigkeit voraussichtlich als freier Beruf einzuordnen ist und Sie direkt mit Kunden Verträge schließen | Formulieren Sie auf 1 Seite: Leistung, berufliche Qualifikation, typische Aufträge und warum die Tätigkeit freiberuflich ist | Sie können zwei konkrete Beispielaufträge nennen und zu jeder Leistung einen Qualifikationsbezug belegen (z. B. Abschluss, Referenzen, Arbeitsproben) |
| Einzelunternehmen (gewerblich) | Wenn es klar gewerblich ist oder die Freiberuflichkeit unsicher bleibt, Sie aber ohne Kapitalgesellschaft starten möchten | Klären Sie die formalen Schritte (Gewerbeanmeldung, ggf. IHK/HWK-Zuordnung) und planen Sie den Starttermin realistisch | Sie haben eine Termin- und Unterlagenliste, die alle Pflichtschritte bis zum Startdatum abdeckt (inkl. Anmeldungen) |
| UG (haftungsbeschränkt) | Wenn Haftungsbegrenzung/Seriosität wichtig ist, aber Sie klein starten und trotzdem Gesellschaftsstruktur wollen | Legen Sie fest: Wer ist Geschäftsführer, welches Gehalt ist realistisch, welche Kosten entstehen durch Gründung/Buchhaltung | In Ihrer Finanzplanung ist das Geschäftsführer-Gehalt als fixer Kostenblock ab Monat X enthalten und die Liquidität bleibt positiv |
| GmbH | Wenn größerer Kapitalbedarf, höhere Außenwirkung oder mehrere Beteiligte von Beginn an nötig sind | Stellen Sie die Startfinanzierung und die laufenden Fixkosten belastbar dar (inkl. Notar/Gründung, Buchhaltung, ggf. Personal) | Sie können die ersten 6–12 Monate Liquidität monatlich zeigen und haben eine nachvollziehbare Finanzierung (Eigen-/Fremdmittel) |
| „Später umstellen“ (Start einfach, später UG/GmbH) | Wenn Sie schnell starten müssen, die Struktur aber mittelfristig sinnvoll ist | Beschreiben Sie im Businessplan eine klare Roadmap: wann und warum Umstellung erfolgt (z. B. bei Umsatz/Haftungsprofil) | Es gibt messbare Auslöser (z. B. Umsatzschwelle, neuer Großkunde, Mitarbeiterplanung), die die Umstellung auslösen |
Ein hilfreicher Rahmen, um diese Optionen konsistent zu dokumentieren, ist die praxisnahe Checkliste zur Antragstellung und Unterlagenlogik, wie sie auch auf der Gründerplattform beschrieben wird. (Gründerplattform – Gründungszuschuss beantragen)
Was sich im Businessplan und in der Finanzplanung je Rechtsform ändert
Freiberuflich starten: Fokus auf Leistung, Qualifikation und direkte Einnahmen
Wenn Sie freiberuflich (als natürliche Person) starten, ist der Businessplan oft am klarsten, weil der Zusammenhang zwischen Ihrer Arbeit, Ihren Kunden und Ihrem Einkommen direkt ist.
- Businessplan-Schwerpunkt: Positionierung, Zielkunden, Leistungsbeschreibung, Preislogik und Ihre fachliche Eignung.
- Finanzplanung-Schwerpunkt: Realistische Auslastung in der Anlaufphase, Zahlungsziele, Steuervorauszahlungen, private Krankenversicherung/Beiträge (je nach Situation) und Ihr privater Mindestbedarf.
Praxis-Tipp: Beschreiben Sie früh, wie Sie Aufträge gewinnen (z. B. bestehendes Netzwerk, konkrete Marketingkanäle) und wie Sie Angebotserstellung, Leistungserbringung und Abrechnung organisieren. Das ist häufig überzeugender als allgemeine Marktstatistiken.
Gewerblich als Einzelunternehmen: klare Pflichten, einfache Geldflüsse
Ein gewerbliches Einzelunternehmen ähnelt in der Darstellung häufig der freiberuflichen Variante, aber mit anderen formalen Pflichten.
- Businessplan-Schwerpunkt: Zusätzlich zu Angebot/Markt sollten Sie operative Abläufe (Einkauf, Lager, Gewährleistung, ggf. Mitarbeiter) nachvollziehbar darstellen.
- Finanzplanung-Schwerpunkt: Wareneinsatz, Retouren-/Gewährleistungspuffer, Versicherungen sowie ggf. Investitionen.
Wichtig für die Tragfähigkeit: Wenn Sie Produkte verkaufen oder höhere Vorleistungen haben, wird die Liquiditätsplanung oft entscheidender als die reine Gewinnrechnung.
UG/GmbH: Rollen und Geldflüsse müssen „prüfbar“ werden
Bei UG/GmbH ist der häufigste Stolperstein nicht die Rechtsform selbst, sondern eine unklare Antwort auf die Frage: Wovon leben Sie persönlich in den ersten Monaten – und warum ist das trotzdem hauptberufliche Selbstständigkeit?
Damit die Tragfähigkeitsprüfung konsistent wird, brauchen Sie im Businessplan eine klarere Struktur als bei einem Start als natürliche Person:
- Rollenlogik: Sind Sie Geschäftsführer (mit Vertrag)? Sind Sie zugleich operativ der Leistungserbringer (z. B. Beratung/IT/Design)? Wer unterschreibt Kundenverträge?
- Vergütungslogik: Gehalt (regelmäßig, planbar) vs. Gewinn (später, unsicherer) vs. Ausschüttung (typisch erst nach Jahresabschluss). Für die ersten Monate ist ein realistisches, finanzierbares Gehalt oft leichter nachvollziehbar als „später Ausschüttung“.
- Kostenrealität: Gründungsaufwand (Notar/Handelsregister), laufende Buchhaltung/Jahresabschluss, ggf. IHK-Beiträge und Bankkosten.
- Kapital und Liquidität: Wie wird die Gesellschaft anfangs finanziert (Stammkapital, Darlehen, Gesellschafterdarlehen) – und was heißt das monatlich für Zahlungsfähigkeit?
Rechtlicher Kontext (für die Einordnung, nicht als Beratung): Die UG ist im GmbH-Gesetz als Sonderform geregelt (umgangssprachlich „Mini-GmbH“), u. a. in § 5a GmbHG. (GmbHG § 5a – Gesetze im Internet)
Tragfähigkeitsbescheinigung: Was bei UG/GmbH besonders überzeugend sein muss
Die Tragfähigkeitsbescheinigung soll bestätigen, dass Ihr Vorhaben wirtschaftlich nachvollziehbar ist. In der Praxis schauen fachkundige Stellen (z. B. IHK/HWK, Steuerberater, Gründungsinitiativen – je nach regionaler Anerkennung) häufig auf drei „Konsistenzfragen“:
- Ist die Rechtsform funktional begründet? Haftung, Partnerstruktur, Seriositätsanforderungen oder Investorenlogik sind nachvollziehbare Gründe. „Weil es professioneller aussieht“ wirkt dagegen oft dünn.
- Ist Ihre persönliche Hauptberuflichkeit plausibel? Bei UG/GmbH muss klar sein, dass Sie nicht nur verwalten, sondern das Kerngeschäft tragen (Arbeitszeit, Kundengewinnung, Leistung).
- Sind die Zahlen als System stimmig? Umsatzannahmen, Kosten (inkl. Gehalt), Steuern, Liquidität und private Lebenshaltung müssen zusammenpassen.
Wenn Sie unsicher sind, wo die „prüfbaren“ Nachweise liegen sollen, hilft ein kurzer Perspektivwechsel: Eine fachkundige Stelle muss Ihren Plan so verstehen, dass sie ihn verantwortbar unterschreibt. Je weniger offene Fragen bleiben (Startdatum, Verträge, Zahlungsflüsse), desto leichter wird diese Unterschrift.
Ein guter Anker für die formalen Eckpunkte bleibt die Arbeitsagentur selbst – insbesondere zu Voraussetzungen, Ablauf und Unterlagen. (Arbeitsagentur – Gründungszuschuss beantragen)
Checkliste: Rechtsform so festlegen, dass Antrag und Unterlagen zusammenpassen
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Klären Sie zuerst, ob Ihre Tätigkeit als freier Beruf einzuordnen ist, damit Ihre Darstellung (Pflichten, Zielkunden, Leistungsbild) von Anfang an stimmig bleibt.
Prüfpunkt: Sie haben eine kurze Leistungsbeschreibung (max. 10 Zeilen) plus Qualifikationsnachweise zusammengestellt, die den Berufsbezug erkennbar machen.
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Entscheiden Sie, wer Vertragspartner Ihrer Kunden wird (Sie persönlich oder die UG/GmbH), weil davon Angebotstexte, Rechnungen, AGB und die Umsatzzuordnung abhängen.
Prüfpunkt: Auf zwei Musterrechnungen ist eindeutig ersichtlich, wer die Rechnung stellt und wohin Zahlungen fließen.
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Legen Sie Ihre persönliche Rolle schriftlich fest (Aufgaben, Wochenstunden, Verantwortungen), damit „hauptberuflich“ nicht nur behauptet, sondern nachvollziehbar wird.
Prüfpunkt: Ihr Rollenprofil enthält eine konkrete Wochenplanung (z. B. Vertrieb, Leistung, Administration) und passt zu Ihrer Umsatzplanung.
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Planen Sie Ihren privaten Mindestbedarf und gleichen Sie ihn mit Ihrer Finanzplanung ab, damit die Tragfähigkeit nicht an einer verdeckten Finanzierungslücke scheitert.
Prüfpunkt: In der monatlichen Liquiditätsplanung ist ein realistischer Privatbedarf (bei UG/GmbH über Gehalt/Entnahmen) abgebildet.
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Wenn Sie UG/GmbH wählen: Definieren Sie ein realistisches Geschäftsführergehalt und begründen Sie es kurz, weil es sowohl steuerlich als auch liquiditätsseitig eine Schlüsselgröße ist.
Prüfpunkt: Das Gehalt ist ab einem konkreten Monat eingeplant und die Gesellschaft bleibt in jedem Monat zahlungsfähig.
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Beschreiben Sie Ihre Kundengewinnung mit konkreten Kanälen und Aufwand (z. B. Anzahl Angebote/Woche), weil bei Neugründungen die Anlaufphase oft der kritischste Teil ist.
Prüfpunkt: Sie haben drei Akquisewege mit je einer messbaren Aktivität definiert (z. B. 10 Erstkontakte/Woche, 4 Angebotsgespräche/Monat).
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Erstellen Sie eine Preis- und Angebotslogik (Leistungspakete, Stundensatz, Mindestauftragswert), damit die Umsatzannahmen nicht „frei geschätzt“ wirken.
Prüfpunkt: Sie können anhand eines Beispielauftrags zeigen, wie Preis, Zeitaufwand und Marge zusammenhängen.
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Sammeln Sie belastbare Nachweise für die Umsetzbarkeit (Qualifikation, Referenzen, Arbeitsproben, ggf. Genehmigungen), weil Tragfähigkeit auch persönliche Eignung umfasst.
Prüfpunkt: Ihre Unterlagenmappe enthält mindestens drei prüfbare Nachweise (z. B. Zeugnis, Zertifikat, Referenzprojekt mit Ergebnis).
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Setzen Sie ein eindeutiges Startdatum und stimmen Sie es mit Antrag/Unterlagen ab, damit es keine Widersprüche zwischen „geplant“ und „bereits aufgenommen“ gibt.
Prüfpunkt: Startdatum, geplantes Rechnungsdatum der ersten Leistung und Einreichdatum der Unterlagen sind in einer Zeitleiste konsistent.
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Bauen Sie eine einfache „Unterlagenliste“ für die Tragfähigkeitsbescheinigung (Dokument, Zweck, Status), damit nichts Wesentliches am Ende fehlt.
Prüfpunkt: Jede Unterlage ist einem Zweck zugeordnet (z. B. Markt, Zahlen, Qualifikation) und hat einen klaren Fertig-Status.
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Holen Sie vorab eine Plausibilitätsrückmeldung zu Ihrem Zahlenmodell ein, damit Korrekturen passieren, bevor Sie alles final formatieren.
Prüfpunkt: Sie haben mindestens zwei kritische Annahmen (z. B. Auslastung, Preis, Kostenblock) schriftlich begründet und ggf. angepasst.
Fehler/Korrekturen: typische Stolperstellen bei „Freiberuflich vs. UG/GmbH“
Unklare Hauptberuflichkeit bei UG/GmbH
- Problem: Die Darstellung wirkt so, als seien Sie primär Gesellschafter und nicht hauptberuflich operativ tätig.
- Korrektur: Beschreiben Sie Ihre operative Leistung, Wochenstunden und Verantwortlichkeiten konkret und verknüpfen Sie diese mit Umsatztreibern (Akquise, Projekte, Delivery).
Geldfluss nicht nachvollziehbar („Wovon lebe ich?“)
- Problem: Die Finanzplanung zeigt Unternehmensumsatz, aber keinen plausiblen Weg zu Ihrem privaten Lebensunterhalt.
- Korrektur: Legen Sie eine klare Vergütungslogik fest (z. B. Gehalt ab Monat X) und zeigen Sie Liquidität monatlich.
Freiberuflichkeit wird behauptet, aber nicht begründet
- Problem: Es fehlt der Bezug zwischen Tätigkeit, Qualifikation und typischer Berufsstruktur; dadurch wird die Einordnung angreifbar.
- Korrektur: Erstellen Sie eine kurze Begründungsseite (Tätigkeiten, Qualifikation, Beispielaufträge) und lassen Sie die Formulierung sprachlich eindeutig.
Umsatzannahmen ohne belastbare Herleitung
- Problem: „Ab Monat 2 voll ausgelastet“ ohne Akquise-Logik wirkt unrealistisch.
- Korrektur: Planen Sie eine Anlaufkurve (z. B. 20/40/60 % Auslastung) und koppeln Sie sie an konkrete Akquiseaktivitäten.
Fixkosten unterschätzt (insbesondere bei Kapitalgesellschaft)
- Problem: Gründungs- und Folgekosten (Buchhaltung/Jahresabschluss, Bank, Beiträge) fehlen oder sind zu niedrig.
- Korrektur: Ergänzen Sie einen eigenen Kostenblock „Gesellschaft & Verwaltung“ und plausibilisieren Sie ihn mit Angeboten/Erfahrungswerten.
Rechtsform wird aus „Außenwirkung“ gewählt, nicht aus Funktion
- Problem: Die Begründung für UG/GmbH bleibt vage, wodurch die Komplexität im Verhältnis zum Nutzen nicht überzeugt.
- Korrektur: Formulieren Sie 1–2 funktionale Gründe (Haftung, Partner, Investitionen, Kundenerwartung) und zeigen Sie, warum die Struktur dafür nötig ist.
Häufige Fragen
Ist der Gründungszuschuss mit UG oder GmbH grundsätzlich möglich?
Grundsätzlich kann die Selbstständigkeit auch über eine Kapitalgesellschaft organisiert werden. Entscheidend ist, dass Sie die Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit beenden und die Tragfähigkeit nachvollziehbar belegen. Die offizielle Orientierung bietet die Arbeitsagentur. (Arbeitsagentur – Gründungszuschuss)
Ist der Gründungszuschuss als Freiberufler möglich?
Ja, die freiberufliche Selbstständigkeit kann grundsätzlich förderfähig sein, wenn die Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind. Praktisch wichtig ist, dass die Einordnung der Tätigkeit und Ihre Qualifikation zueinander passen und Ihr Businessplan mit der Rechtsform konsistent ist.
Muss ich die UG/GmbH schon gegründet haben, bevor ich den Antrag stelle?
Das kann je nach Ablauf und regionaler Praxis unterschiedlich sein, und der Zeitpunkt ist sensibel. Klären Sie früh mit Ihrer Arbeitsagentur, welche Unterlagen vor Aufnahme der Tätigkeit erwartet werden und wie das Startdatum verstanden wird. Als Leitplanke dient die Antragsübersicht der Arbeitsagentur. (Arbeitsagentur – Gründungszuschuss beantragen)
Was ist bei UG/GmbH der häufigste Grund für Rückfragen in der Tragfähigkeitsprüfung?
Meist sind es keine „Formfehler“, sondern Unklarheiten: Wer arbeitet operativ? Wie kommt Geld bei Ihnen privat an? Sind Gehalt und Liquidität realistisch? Je eindeutiger Sie diese Punkte in Businessplan und Finanzplanung beantworten, desto weniger Interpretationsspielraum bleibt.
Was sollte im Businessplan stehen, damit die Rechtsform-Entscheidung nachvollziehbar ist?
Neben Markt und Angebot braucht es eine klare Rollen- und Vertragslogik: Wer unterschreibt Verträge, wer erbringt die Leistung, welche Kostenstruktur folgt daraus, und wie tragen diese Punkte die Umsatzannahmen. Bei Kapitalgesellschaften gehört eine kurze, funktionale Begründung der Rechtsform dazu.
Wie wichtig ist die Finanzplanung im Vergleich zur Idee?
Die Idee ist der Startpunkt, die Tragfähigkeit wird aber über die Plausibilität der Umsetzung geprüft. Eine saubere Finanzplanung zeigt, dass Sie Anlaufphase, Kosten und privaten Bedarf realistisch einschätzen und steuern.
Kann ich erst freiberuflich/als Einzelunternehmen starten und später in UG/GmbH wechseln?
Das ist als Entwicklungspfad häufig sinnvoll, wenn Sie schnell starten müssen oder die Struktur erst bei steigenden Umsätzen nötig wird. Wichtig ist, dass Sie den Wechsel nicht als „Ausweichlösung“ darstellen, sondern an messbare Auslöser knüpfen (z. B. größerer Kunde, Haftungsrisiko, Mitarbeiter).
Wer darf eine Tragfähigkeitsbescheinigung ausstellen?
Das hängt von den Vorgaben und Anerkennungen in Ihrer Region ab (z. B. bestimmte Kammern oder andere fachkundige Stellen). Klären Sie vorab, welche Stellen Ihre Arbeitsagentur akzeptiert, damit Sie nicht Zeit in eine „falsche“ Bescheinigung investieren.
Wo setzt der beste nächste Schritt an, wenn ich noch zwischen Freiberufler und UG schwanke?
Setzen Sie beim Vertragspartner und bei Ihrem privaten Lebensunterhalt an: Wenn Sie sauber erklären können, wer die Leistung verkauft, wer bezahlt wird und wie Sie in den ersten Monaten finanziell überbrücken, wird die Rechtsform-Entscheidung deutlich einfacher.
Quellen
- Arbeitsagentur: Existenzgründung – Gründungszuschuss
- Arbeitsagentur: Gründungszuschuss beantragen
- Gründerplattform: Gründungszuschuss beantragen
- Gesetze im Internet: SGB III § 93 (Gründungszuschuss)
- Gesetze im Internet: GmbHG § 5a (UG haftungsbeschränkt)
- DIHK: Freie Berufe – Abgrenzung und Einordnung
- IHK München: Rechtsformen im Überblick
- Bundesnotarkammer: Kosten einer GmbH-/UG-Gründung (Überblick)