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Tragfähigkeitsbescheinigung: Kapitalbedarf und Finanzierungsplan

Kapitalbedarfsplan und Finanzierungsplan für die Tragfähigkeitsbescheinigung: Aufbau, Nachweise, Ablauf und Checkliste – für den Gründungszuschuss.

Verfasst von der

Gründergold Redaktion

Veröffentlicht: 21. Februar 2026Aktualisiert: 21. Februar 202612 Min. Lesezeit

Schnellantwort: Für eine Tragfähigkeitsbescheinigung sollte Ihr Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan so aufgebaut sein, dass Bedarf, Zeitpunkt der Zahlungen und Finanzierung ohne Lücken nachvollziehbar sind. Entscheidend ist: Jede größere Ausgabe ist begründet, und zu jedem Finanzierungsbaustein können Sie passende Nachweise vorlegen. Wenn das stimmt, ist der nächste sinnvolle Schritt meist, den Zahlenteil fachkundig prüfen zu lassen, bevor Sie ihn bei der Arbeitsagentur einreichen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Kapitalbedarfsplan: Einmalige Investitionen, Anlaufkosten und ein realistisch bemessener Anlaufpuffer sind vollständig erfasst – mit Beträgen, Zeitpunkten und Begründung.
  • Finanzierungsplan: Sie zeigen, wie der Kapitalbedarf tatsächlich gedeckt wird (Eigenmittel, Darlehen, Leasing, Zuschüsse) und wann die Mittel verfügbar sind.
  • Nachweise sind Teil der Plausibilität: Angebote, Verträge, Kontoauszüge, Zusagen oder Konditionenblätter machen Annahmen prüfbar.
  • Konsistenz im Businessplan: Kapitalbedarf, Liquiditätsplanung und Rentabilitätsvorschau passen zusammen (Zahlungsziele, Steuern, Krankenversicherung, Unternehmerlohn).
  • Arbeitsagentur-Kontext: Beim Gründungszuschuss ist die Tragfähigkeit gegenüber der Arbeitsagentur darzulegen; eine Bewilligung ist keine automatische Folge der Unterlagen.
  • Nächster Schritt: Klären Sie offene Finanzierungsbausteine zuerst, bevor Sie an „Feinschliff“ arbeiten.

Wenn Sie eine strukturierte Durchsicht des Zahlenteils und die fachkundige Bestätigung benötigen, kann die Tragfähigkeitsbescheinigung der passende nächste Schritt sein.

Dieser Leitfaden ist für Gründerinnen und Gründer, die für den Gründungszuschuss eine Tragfähigkeitsbescheinigung benötigen und den Zahlenteil ihres Businessplans entscheidungsfest machen möchten. Sie bekommen ein klares Gerüst für Kapitalbedarf, Finanzierung und Nachweise – und eine Checkliste, mit der Sie vorab prüfen, ob Ihre Planung „prüfbar“ und nicht nur „rechnerisch korrekt“ wirkt.

Kurzüberblick

Kapitalbedarfsplan und Finanzierungsplan beantworten im Kern zwei Fragen: Wie viel Geld wird für Start und Anlauf benötigt, und woher kommt es konkret? Für die Tragfähigkeitsbescheinigung zählt vor allem die Nachvollziehbarkeit: Beträge, Zeitpunkte und Annahmen müssen zusammenpassen und durch Belege oder realistische Herleitungen gestützt sein. Je klarer Sie zeigen, dass der Start finanziell abgesichert ist, desto leichter lässt sich die Tragfähigkeit im Rahmen der Prüfung einordnen.

Voraussetzungen und Kriterien: Was „plausibel“ im Zahlenteil praktisch bedeutet

Bei der Tragfähigkeitsbescheinigung wird der Zahlenteil nicht wie eine Steuererklärung „abgehakt“, sondern auf Plausibilität geprüft. Das heißt nicht, dass alles sicher eintreten muss – sondern dass Ihre Planung mit den verfügbaren Informationen vernünftig begründet ist und keine verdeckten Lücken enthält.

Vollständigkeit des Kapitalbedarfs

Ein häufiger Stolperstein ist nicht die Rechenformel, sondern eine fehlende Position. Typische Pflichtblöcke sind:

  • Investitionen: Ausstattung, Geräte, Software, Einrichtung, ggf. Fahrzeug.
  • Anlaufkosten: Marketingstart, Beratung, Gebühren, Kautionen, erste Waren/Material.
  • Betriebsmittel/Anlaufpuffer: Liquidität für die ersten Monate, bis Umsätze regelmäßig eingehen.

Wichtig: Der Kapitalbedarfsplan ist kein Wunschzettel. Er sollte nur die Positionen enthalten, die Sie tatsächlich benötigen und zeitnah bezahlen.

Timing: Wann wird welches Geld benötigt?

Für die Tragfähigkeitsprüfung ist es entscheidend, ob Mittel rechtzeitig verfügbar sind. Ein Darlehen „irgendwann“ hilft nicht, wenn die Rechnung vor Start fällig wird. Deshalb sollte jede größere Position einen Monat/Zeitraum bekommen (z. B. „Monat 0“ vor Aufnahme der Tätigkeit, „Monat 1–3“ Anlaufphase).

Plausible Herleitung statt optimistischer Annahmen

Je stärker eine Zahl Ihre Tragfähigkeit beeinflusst, desto besser muss die Begründung sein. Beispiele:

  • Hohe Umsätze gleich ab Monat 1 wirken nur dann plausibel, wenn Sie konkrete Vorverträge, Buchungen oder belegbare Anfragen in der Angebotsphase haben.
  • Sehr niedrige Kosten wirken nur dann plausibel, wenn Sie zeigen können, dass Leistungen tatsächlich enthalten sind (z. B. Betriebskosten, Versicherungen, Lizenzen).

Konsistenz zwischen Kapitalbedarf, Finanzierung und Finanzplanung

Der Kapitalbedarf darf nicht isoliert stehen. Prüfen Sie, ob diese Teile zusammenpassen:

  • Kapitalbedarfsplan (Einmalbedarf + Puffer)
  • Finanzierungsplan (Mittelquellen + Verfügbarkeit)
  • Liquiditätsplanung (monatliche Ein- und Auszahlungen)
  • Rentabilitätsvorschau (Gewinn/Verlust, Unternehmerlohn, Steuern)

Ein typisches Konsistenzproblem ist, dass im Kapitalbedarfsplan ein Puffer vorgesehen ist, in der Liquiditätsplanung aber trotzdem ein negativer Kontostand entsteht – oder umgekehrt.

Nachweise als Prüfgrundlage

Die Arbeitsagentur benennt für den Gründungszuschuss die Tragfähigkeitsbescheinigung als Bestandteil des Antragswegs; die rechtliche Grundlage findet sich im SGB III. Das hilft Ihnen bei der Einordnung, welche Unterlagen im Umfeld typischerweise erwartet werden – und warum Plausibilität im Zahlenteil so wichtig ist (Arbeitsagentur: Gründungszuschuss beantragen, § 93 SGB III).

Aufbau: So gestalten Sie Kapitalbedarfsplan, Finanzierungsplan und Nachweise

Die beste Struktur ist die, die ein Dritter in wenigen Minuten prüfen kann. Bewährt hat sich: erst Kapitalbedarf, dann Finanzierung, dann ein kurzer Nachweis-Index (mit Dateinamen/Anhängen), der die wichtigsten Belege pro Baustein aufführt.

1) Kapitalbedarfsplan: Positionen, Begründung, Zeitpunkt

Gliedern Sie den Kapitalbedarf in 3–5 Blöcke und geben Sie pro Position an:

  • Was wird angeschafft/bezahlt? (kurze Beschreibung)
  • Wieviel kostet es? (netto/brutto, je nach Umsatzsteuer-Logik)
  • Wann fällt die Zahlung an? (Monat 0/1/2 …)
  • Warum ist es erforderlich? (ein Satz, der den Nutzen erklärt)

Für eine schnelle Prüfung wirkt ein Kapitalbedarfsplan besonders stimmig, wenn größere Positionen mit einem Angebot hinterlegt sind und Kleinteile als Sammelposition mit sauberer Herleitung (z. B. Warenkorb/Listen) dargestellt werden.

2) Finanzierungsplan: Mittelquellen und Verfügbarkeit transparent machen

Der Finanzierungsplan sollte nicht nur die Summe zeigen, sondern die Mittelquellen so beschreiben, dass keine „Wunschfinanzierung“ entsteht. In der Praxis heißt das:

  • Eigenmittel: Betrag, Herkunft, sofort verfügbar oder bis Datum X verfügbar.
  • Darlehen: Kreditbetrag, Laufzeit, Zinssatz (oder Bandbreite), Tilgungsbeginn, Status (Anfrage/Prüfung/Zusage).
  • Leasing/Miete: Was wird geleast, Rate, Laufzeit, Anzahlung, wann die Freigabe erfolgt.
  • Zuschüsse/Förderungen: Programm, Antragstatus, Bewilligungsvoraussetzungen.

Je mehr der Plan auf Zusagen basiert, desto stabiler wirkt er. Wo Zusagen fehlen, sollten Sie offen schreiben, wie Sie die Lücke schließen (z. B. Alternativbank, geringere Investition, stufenweiser Start).

3) Nachweise: Was typischerweise passt (und was oft fehlt)

Nachweise sollen nicht „beeindrucken“, sondern Annahmen prüfbar machen. Viele Prüfungen scheitern nicht an der Idee, sondern daran, dass an kritischen Stellen kein Beleg oder kein nachvollziehbarer Zwischenschritt vorhanden ist.

Vor allem diese Nachweisarten sind in der Praxis hilfreich:

  • Angebote/Kostenvoranschläge für Investitionen und größere laufende Kosten
  • Kontoauszüge/Eigenmittelnachweis (mit nachvollziehbarer Zuordnung)
  • Kreditunterlagen (Konditionen, Zusage, Konditionenübersicht oder Zwischenstand)
  • Leasing-/Mietentwürfe (Raten, Laufzeit, Kaution)
  • Verträge/Vorverträge oder verbindliche Absichtserklärungen bei Startumsätzen

Entscheidungshilfe: Welche Finanzierungsoptionen sind im Plan wie darstellbar?

Nicht jede Finanzierung muss „fertig“ sein. Aber jede Finanzierung muss so beschrieben sein, dass ein Prüfer erkennt: (1) Wie realistisch ist die Verfügbarkeit? (2) Welche Bedingungen hängen daran? (3) Was passiert, wenn es anders kommt?

Die Tabelle hilft Ihnen, die gängigen Bausteine mit passenden Nachweisen und einem klaren Prüfschritt zu verbinden.

FinanzierungsbausteinTypische NachweiseWas im Plan stehen sollteIhre konkrete AktionPrüfpunkt
EigenmittelKontoauszug, Sparnachweis, DepotauszugBetrag, Verfügbarkeit, wofür eingesetztOrdnen Sie Eigenmittel einer Position zu (z. B. „Kaution + Software“)Der ausgewiesene Eigenmittelbetrag ist in den Nachweisen sichtbar und nicht für andere Zwecke verplant
BankdarlehenKonditionenblatt, Zusage, SchriftverkehrStatus, Laufzeit, Zinssatz/Spanne, Sicherheiten, AuszahlungsterminHalten Sie den Status schriftlich fest und ergänzen Sie eine AlternativeEs gibt eine schriftliche Spur (E-Mail/Antrag/Angebot) und ein realistisches Auszahlungsdatum
Mikrokredit/BürgschaftProgrammhinweis, Beratungstermin, AntragsbestätigungVoraussetzungen, Zeitplan, Betrag, EntscheidungspunktPlanen Sie den Zeitbedarf ein und setzen Sie einen EntscheidungsterminIm Plan ist ein Datum genannt, bis zu dem die Entscheidung vorliegen muss
Leasing/Miete statt KaufLeasingangebot, Mietvertrag/EntwurfRate, Laufzeit, Anzahlung, StartterminRechnen Sie Raten in Liquidität ein und streichen Sie die Kaufposition im KapitalbedarfKapitalbedarfsplan und Liquiditätsplan enthalten nicht beides (Kauf und Rate) gleichzeitig
Lieferantenziel/SkontoAngebot mit ZahlungsbedingungenZahlungsziel, Skonto, Fälligkeit in Monat XÜbernehmen Sie Zahlungsziele in die LiquiditätsplanungDie ersten Monate zeigen keine „Lücke“, weil fällige Rechnungen berücksichtigt sind

Mini-Rechner: Anlaufpuffer realistisch bestimmen (in 5 Minuten)

Ein Anlaufpuffer ist oft der entscheidende Teil im Kapitalbedarf. Er wirkt plausibel, wenn er aus Ihrer Liquiditätsplanung abgeleitet wird – nicht aus einem pauschalen Gefühl.

So gehen Sie vor:

  1. Listen Sie die fixen monatlichen Auszahlungen in der Startphase auf (z. B. Miete, Versicherungen, Software, Telefon, Fahrtkosten, Kreditrate, Krankenversicherung, Steuer-Vorauszahlungen soweit absehbar).
  2. Schätzen Sie konservativ die Einzahlungen für die ersten 2–3 Monate (nur das, was realistisch erreichbar ist).
  3. Berechnen Sie die monatliche Lücke (Auszahlungen minus Einzahlungen) und addieren Sie einen Sicherheitsaufschlag für Verzögerungen.

Beispiel:

  • Fixe Auszahlungen: 2.200 € / Monat
  • Erwartete Einzahlungen: Monat 1 = 700 €, Monat 2 = 1.300 €, Monat 3 = 1.800 €
  • Lücken: 1.500 € + 900 € + 400 € = 2.800 €
  • Sicherheitsaufschlag (z. B. 15 %): 420 €
  • Anlaufpuffer im Kapitalbedarf: rund 3.220 €

Wichtig ist nicht der „perfekte“ Prozentwert, sondern dass Ihr Puffer mit der Liquiditätskurve zusammenpasst.

Ablauf: Von der Finanzplanung zur Tragfähigkeitsbescheinigung (praxisnah)

Der folgende Ablauf ist so gedacht, dass Sie Risiken früh sichtbar machen und Nacharbeiten minimieren. Er ersetzt keine individuelle Beratung, zeigt aber eine robuste Reihenfolge.

  1. Kapitalbedarf komplettieren und zeitlich einordnen. Schreiben Sie jede größere Position mit Monat und Begründung auf, bevor Sie an der Finanzierung feilen. Prüfpunkt: Es gibt keine Position > 250 € ohne Zeitpunkt und kurzen Nutzen-Satz.
  2. Finanzierungsbausteine auf „verfügbar bis Datum X“ herunterbrechen. Formulieren Sie bei Darlehen/Leasing den Status und die Bedingung (Zusage, Sicherheiten, Unterlagen). Prüfpunkt: Jeder Finanzierungsbaustein hat einen dokumentierten Status (z. B. Antrag gestellt am …) und ein realistisches Verfügbarkeitsdatum.
  3. Liquiditätsplanung auf Zahlungsziele und Steuern abgleichen. Übernehmen Sie Zahlungsfristen aus Angeboten/Verträgen und prüfen Sie die ersten Monate auf negative Kontostände. Prüfpunkt: In den Monaten 1–6 entsteht kein ungeklärter Negativsaldo; wenn doch, ist die Deckung als Maßnahme benannt.
  4. Rentabilitätsvorschau mit Unternehmerlohn und Krankenversicherung plausibilisieren. Vermeiden Sie „Gewinne“ nur durch Weglassen zentraler privater/sozialer Kosten. Prüfpunkt: Die Planung enthält eine nachvollziehbare Position für Krankenversicherung und einen realistischen Unternehmerlohn oder eine Übergangslösung.
  5. Nachweis-Index erstellen und Lücken schließen. Legen Sie je kritischer Zahl 1–2 passende Belege ab (Angebot, Kontoauszug, Zusage, Vertrag). Prüfpunkt: Zu allen Positionen, die zusammen mindestens 80 % des Kapitalbedarfs ausmachen, liegt ein konkreter Beleg oder eine dokumentierte Herleitung vor.
  6. Fachkundige Prüfung einholen und Änderungen konsistent nachziehen. Wenn sich eine Zahl ändert, aktualisieren Sie Kapitalbedarf, Finanzierung und Liquidität gemeinsam. Prüfpunkt: Nach der letzten Anpassung stimmen Summen und Annahmen in allen Tabellen überein (keine „alten“ Werte in Nebenblättern).

Fehler und Korrekturen: Häufige Stolpersteine im Kapital- und Finanzierungsplan

Fehlender oder zu knapper Anlaufpuffer

  • Problem: Die ersten Monate sind in der Liquidität negativ oder nur durch unrealistische Sofortumsätze ausgeglichen.
  • Korrektur: Leiten Sie den Puffer aus der monatlichen Lücke ab und ergänzen Sie eine Zwischenfinanzierung oder stufenweisen Start.

Doppelte Abbildung (Kauf und Leasingrate gleichzeitig)

  • Problem: Im Kapitalbedarf steht der Kaufpreis, in der Liquidität zusätzlich die Leasing-/Mietrate – die Finanzierung wirkt dadurch inkonsistent.
  • Korrektur: Entscheiden Sie sich je Objekt für Kauf oder Leasing und passen Sie Kapitalbedarf, Finanzierung und Liquidität in einem Durchgang an.

Eigenmittel „auf dem Papier“, aber nicht verfügbar

  • Problem: Eigenmittel sind eingeplant, ohne dass der Betrag nachweisbar oder kurzfristig frei ist (z. B. gebundene Anlagen, private Reserven ohne Nachweis).
  • Korrektur: Legen Sie einen belastbaren Nachweis vor oder reduzieren Sie den Bedarf bzw. ersetzen Sie die Quelle durch eine realistische Alternative.

Unklare Umsatzannahmen ohne Anker

  • Problem: Die Rentabilität steht und fällt mit wenigen großen Aufträgen, die nicht belegt oder nicht zeitlich eingeordnet sind.
  • Korrektur: Arbeiten Sie mit konservativen Basisszenarien, belegen Sie Anfragen/Vorverträge und zeigen Sie Maßnahmen, falls Umsätze später starten.

Steuern und Sozialabgaben ausgeblendet

  • Problem: Der Gewinn wirkt hoch, weil Steuerzahlungen, Krankenversicherung oder Rücklagen fehlen; die Tragfähigkeit wird dadurch fraglich.
  • Korrektur: Ergänzen Sie die relevanten Positionen und erklären Sie, ab wann welche Zahlungen realistisch anfallen.

Finanzierungslücke wird „wegformuliert“

  • Problem: Die Summe im Finanzierungsplan passt nur, weil ein Baustein unbestimmt bleibt („Darlehen wird beantragt“) oder weil Beträge gerundet werden.
  • Korrektur: Benennen Sie die Lücke offen und legen Sie einen konkreten Plan B fest (Investitionsstufe, Kostensenkung, zweite Finanzierungsquelle).

Checkliste: Kapitalbedarfsplan, Finanzierungsplan und Nachweise für die Tragfähigkeitsbescheinigung

  • Erfassen Sie alle startnahen Investitionen einzeln und begründen Sie den Nutzen, damit der Kapitalbedarf nachvollziehbar ist. Prüfpunkt: Jede Position > 250 € hat einen Betrag, einen Zahlungsmonat und eine kurze Begründung.
  • Hinterlegen Sie zu größeren Investitionen mindestens ein Angebot oder einen Kostenvoranschlag, damit Preise nicht wie Schätzwerte wirken. Prüfpunkt: Für die größten 5 Positionen liegt jeweils ein PDF-Angebot mit Datum und Anbieter vor.
  • Leiten Sie den Anlaufpuffer aus der Liquiditätsplanung ab, statt eine pauschale Reserve zu setzen. Prüfpunkt: Der Puffer entspricht der Summe der erwarteten Monatslücken der ersten 2–3 Monate (plus begründetem Aufschlag).
  • Stellen Sie Eigenmittel als konkrete Quelle dar und ordnen Sie sie bestimmten Ausgaben zu, damit keine verdeckte Doppelfinanzierung entsteht. Prüfpunkt: Der Eigenmittelbetrag ist im Kontoauszug sichtbar und im Plan einer Position/Gruppe zugeordnet.
  • Dokumentieren Sie bei Darlehen den Status und realistische Konditionen, damit die Finanzierung nicht hypothetisch bleibt. Prüfpunkt: Es existiert mindestens ein Konditionenblatt oder eine schriftliche Bestätigung des Bearbeitungsstands (mit Datum).
  • Entscheiden Sie pro Objekt klar zwischen Kauf und Leasing/Miete und ziehen Sie die Entscheidung in allen Tabellen nach. Prüfpunkt: Für ein Objekt erscheint entweder der Kaufpreis im Kapitalbedarf oder die Rate in der Liquidität – nicht beides.
  • Übernehmen Sie Zahlungsziele aus Angeboten und Verträgen in die Liquiditätsplanung, damit Fälligkeiten realistisch abgebildet sind. Prüfpunkt: In den Monaten 1–6 sind größere Auszahlungen mit Fälligkeitsdatum/Zahlungsziel hinterlegt.
  • Prüfen Sie, ob Krankenversicherung, private Lebenshaltung und ein Unternehmerlohn im Gesamtkonzept berücksichtigt sind. Prüfpunkt: Es gibt eine eigene Position für Krankenversicherung und eine nachvollziehbare Regelung zur privaten Entnahme.
  • Legen Sie einen Nachweis-Index an (Position → Beleg), damit Prüfer Unterlagen schnell zuordnen können. Prüfpunkt: Zu mindestens 80 % des Kapitalbedarfs ist ein konkreter Beleg vermerkt (Dateiname/Anhangnummer).
  • Bauen Sie ein Basisszenario und ein vorsichtiges Szenario in die Rentabilität ein, um Abhängigkeiten transparent zu machen. Prüfpunkt: Die Planung enthält ein Szenario, in dem Umsätze später starten oder 10–20 % niedriger ausfallen, ohne dass sofort eine Finanzierungslücke entsteht.

Häufige Fragen

Welche Rolle spielt der Kapitalbedarfsplan bei der Tragfähigkeitsbescheinigung?

Er zeigt, welche einmaligen Mittel Sie zum Start benötigen und ob der Bedarf vollständig und realistisch ermittelt wurde. In der Prüfung ist häufig wichtiger, dass Positionen begründet und zeitlich eingeordnet sind, als dass jede Zahl „maximal günstig“ wirkt.

Muss die Finanzierung bereits vollständig zugesagt sein?

Nicht zwingend, aber sie sollte plausibel und zeitlich passend dargestellt werden. Wo Zusagen fehlen, hilft Transparenz: Status, Bedingungen, Zeitplan und eine realistische Alternative.

Welche Nachweise sind typischerweise am wichtigsten?

Für große Ausgaben sind Angebote/Kostenvoranschläge besonders wirksam, für Eigenmittel ein nachvollziehbarer Kontonachweis, und für Kredite/Leasing Konditionen und Bearbeitungsstand. Bei Startumsätzen stärken Vorverträge, Buchungen oder schriftlich belegte Anfragen die Plausibilität.

Wie detailliert muss die Liquiditätsplanung sein?

So detailliert, dass man die ersten Monate versteht: Fälligkeiten, Zahlungsziele, wiederkehrende Kosten und realistische Zahlungseingänge. Eine Monatsplanung ist üblich, mindestens für die Anlaufphase.

Was ist der häufigste Grund für Rückfragen in der Prüfung?

In der Praxis sind es oft Inkonsistenzen (z. B. Kauf und Leasing gleichzeitig), fehlende Nachweise zu großen Positionen oder ein zu knapp kalkulierter Anlaufpuffer. Das lässt sich meist mit klarer Struktur und gezielten Belegen gut beheben.

Sollten Netto- oder Bruttowerte verwendet werden?

Das hängt davon ab, wie Sie die Umsatzsteuer einplanen (Kleinunternehmerregelung oder Regelbesteuerung). Wichtig ist Konsistenz: Wenn Sie netto kalkulieren, muss die Umsatzsteuer-Logik an den passenden Stellen im Liquiditätsplan nachvollziehbar sein.

Wie passt das alles zum Antrag auf Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss wird bei der Arbeitsagentur beantragt; dafür gehören Businessplan und Tragfähigkeitsbescheinigung typischerweise zusammen. Die Arbeitsagentur erläutert den Ablauf und die erforderlichen Schritte in ihren Informationen zum Antrag (Arbeitsagentur: Gründungszuschuss).

Wie kann ich kurzfristig prüfen, ob mein Finanzierungsplan „prüfbar“ ist?

Gehen Sie alle Finanzierungsquellen durch und fragen Sie: Gibt es einen Beleg oder eine dokumentierte Herleitung, und ist klar, wann das Geld verfügbar ist? Wenn Sie für jede Quelle einen Prüfschritt notieren können, sind Sie meist nah an einer prüffesten Darstellung.

Quellen

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